5 Tipps für die Schaffung von Protagonisten

Hallo wunderbare Lesewesen, schön seid ihr da.

Heute setze ich die versprochene Mini-Serie über Protagonisten fort.

Das letzte Mal sprachen wir davon, was ein Protagonist unbedingt braucht und das nächste Mal zeige ich euch ein Beispiel aus meinem Buch die Legende von Fin (Keine Spoiler.)

Heute teile ich gerne die 5 Tipps mit euch, die mir helfen, meine Protagonisten zu verbessern. Vielleicht helfen sie euch auch.

 

1. Charakter vor Handlung

Ich gehöre zu den Autorinnen, die ihre Geschichten planen (mehrheitlich).

Sobald ich weiss, was passieren soll, schreibe ich es auf. Maximal eine halbe Seite, nur die grobe Handlung. Besser wären 1-2 Sätze, aber das schaffe ich nicht.

Bevor ich die Geschichte weiter ausfeile, befasse ich mich sofort mit den Figuren – nicht unbedingt mit ihrem Äusseren oder ihren Hobbies, sondern ihrem Inneren. Ihrer Persönlichkeit, ihren Zielen, ihren Fehlern.

Wie ticken sie? Wie war ihr Leben? Was hat sie geprägt? Was können sie gut? Wovor haben sie Angst? Etc.

Deswegen heisst der Tipp Charakter vor Handlung. Bei mir müssen primär die Figuren die Handlung vorantreiben und nicht die Handlung die Figuren zurechtbiegen. Scheinbar findet auch William Faulkner diesen Tipp gut und meinte einmal:

“It begins with a character, usually, and once he stands up on his feet and begins to move, all I can do is trot along behind him with a paper and pencil trying to keep up long enough to put down what he says and does.”

 

2. Begebe dich in den Kopf deiner Romanfiguren.

Das geschieht in der Planungsphase. Da lebe ich im Kopf meines Protagonisten.

Ich erzähle die komplette Geschichte aus der Perspektive jeder einzelnen Figur.

Ich notiere mir, wer, was, warum und wie getan oder eben nicht getan hat. Ich weiss, was in ihrem Leben lief, wenn sie nicht in der Geschichte erwähnt werden.

So werde ich zur Romanfigur und schreibe von innen heraus – aus ihrer Sicht.

Die Handlung geht nicht mehr in die Richtung, die ich will, sondern in die, die die Charaktere wollen. Daher kommt der häufige Streit mit imaginären Personen.

Der Bonus bei dieser Methode ist, dass ich die gesamte Handlung auch gleich ausgefeilt und Nebenhandlungen eingefügt habe und keine ungewollten Perspektivenwechsel einbaue.

Natürlich ist das nur sinnvoll bei Figuren, die in mehr als zwei Szenen vorkommen. Damit stelle ich sicher, dass jeder eine Persönlichkeit hat und nicht nur da ist, um die Heldin zu quälen, ihr den Freund auszuspannen oder um nett auszusehen.

Nicht vergessen: Selbst die grössten Monster aller Zeiten halten sich für gute Menschen und sehen sich als Opfer der unfairen, bösen Welt. Nutze das um glaubwürdige Bösewichte, Nervensägen und Kotzbrocken zu schaffen.

 

3. Studiere die Menschen um dich herum.

Ja, du musst zum Stalker werden. Das war übrigens meine ironische Stimme. Du sollst bitte keine illegalen oder menschlich fragwürdigen Dinge tun.

Aber du musst unheimlich werden, ein wenig.

Es ist mir immens wichtig, meine Mitmenschen genau zu beobachten und mir mentale Notizen dazu zu machen. Das gilt immer, ob während der Planung meiner Geschichte, des Schreibens oder des Korrigierens.

Ich notiere mir, wie sie sich bewegen, reden, kleiden, essen, ihre Eigenarten, Reaktionen, Ambitionen, Enttäuschungen, Weltanschauung, etc.

Ganz besonders wichtig ist, wie andere auf sie reagieren und die Diskrepanzen zwischen dem, was sie sagen und dem, was sie zeigen.

Wieso?

Menschen sind komplex und vielschichtig. Nur, wenn ich die Menschen kenne, kann ich Protagonisten schaffen, die wie aus dem Leben gegriffen wirken, ohne dass ich mich oder meine Freunde in die Geschichte schreiben muss.

Bonus Tipp: Wenn deine Protagonistin / dein Protagonist im Buch von allen geschätzt wird, ausser dem Bösewicht, und schnell Freunde findet, obwohl sie schlecht von ihnen spricht, dann hast du mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Klischee geschaffen.

 

4. Vergleiche dich mit dem Protagonisten.

Das ist ein Tipp, der während des Korrigierens zum Zuge kommt.

In den besten Geschichten sind die Einsätze hoch, Karriere, Leben, Zukunft, Liebe, Kinder … Irgendetwas Wichtiges ist immer bedroht.

Meine Protagonisten müssen darauf reagieren auf ihre eigene Art und Weise.

Wenn sie jedoch sehr oft so reagieren und entscheiden, wie ich es tun würde, dann habe ich mich in die Geschichte geschrieben in einer idealisierten Form.

Als Autor merkt man das oft nicht, weil die Geschichte auch ein Teil von uns ist. Aber die Leserinnen und Leser bemerken es sehr schnell und finden es meist nicht prickelnd. Und werden den Charakter (vielleicht zu unrecht) als Mary Sue (oder das männliche Äquivalent davon) abtun.

 

5. Recherche bis zum Abwinken

  • Wenn meine Protagonistin eine Ballerina-Polizistin und Schmetterlingsfee ist, dann muss ich recherchieren, was es bedeutet eine Ballerina-Polizistin zu sein und Artikel über Schmetterlinge lesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie eine Schmetterlingsfee sein könnte. Das ist übrigens ein erfundenes Beispiel.
  • Wenn man über Hebammen schreibt, sollte man mit Hebammen über ihren Alltag reden.
  • Wenn man über eine Physik Studentin schreibt, sollte man die Fächer und Stundenpläne kennen, sowie ein bisschen etwas von Physik verstehen, sonst wirkt die Figur nicht glaubwürdig und obendrein noch dumm.

Es ist wichtig Einblicke in die Besonderheiten, Herausforderungen und Nuancen der Dinge zu bekommen, mit denen der Protagonist täglich zu tun hat.

Ich verwende in der Geschichte nicht alles, was ich erfahre, ich will ja niemanden langweilen. Aber die Informationen, die ich habe, machen das Leben meiner Romanfigur facettenreich und daher glaubwürdig.

 

So das waren sie meine fünf Tipps.

Welche Tipps und Kniffe wendet ihr an bei der Schaffung eurer Helden? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Wenn euch der Beitrag gefallen hat, dann gebt mir doch ein „Like“, damit ich weiss, was euch gefällt und euch nicht langweile.

Vielen Dank. Bleibt so toll, ihr verleiht meinen Büchern Flügel.