5 Tipps im Umgang mit Kritik

Auch, wenn man das Gefühl hat, dass das eigene Geschreibsel ein Meisterwerk sei, so sollte man es doch anderen zu lesen geben. Im Idealfall, bevor man es veröffentlicht. Warum? Na ja, niemand ist perfekt und wenn du perfekt bist, dann bist du niemand (Muahaha). Okay, ernsthaft jetzt: jeder Mensch hat Fehler – und wenn du keine an dir oder deiner Arbeit sehen kannst, dann ist es höchste Zeit für ein ehrliches Feedback.

„Ja. Schon klar, Patricia, aber ich sehe nur Fehler. Meine Arbeit liest sich, als hätte jemand Abwasser über meinen Bildschirm geschmiert und ich liege auf dem Grund einer Senkgrube, während ein Blizzard von Verzweiflung und Unheil auf mich niedergeht.“

(Das ist nur per Zufall so spezifisch und hat nichts mit einer gewissen Autorin zu tun, die diesen Blog schreibt *Räuspern*)

Besonders dann liebe, unbekannte Lesende braucht ihr einen frischen Blickwinkel am dringendsten und nicht immer werden diese Rückmeldungen toll sein.

Aber nicht jede Kritik und nicht jeder Kritiker ist gut oder relevant für dich. Zu wissen, welche Kritik dir hilft und dich zu einem besseren Schreiberling oder sogar Menschen macht und welche nur geäussert wurde, um dich herunter zu reissen oder zu verletzen, das ist Übungssache. Dafür musst du die Nachricht verstehen, die hinter der Kritik steht. Keine Sorge, Agentin dreifach Null (Juhu, das bin ich) hilft dir sie zu entschlüsseln in 5 einfachen Schritten

1. Kontrolliere deine Emotionen.

Wenn jemand etwas Negatives über dich und/oder deine Arbeit sagt, musst du die andere Person nicht in der Luft zerreissen oder dein Manuskript dem Feuergott opfern. Starke Emotionen sind nie gute Ratgeber. Tief durchatmen, bis zehn zählen (oder zwanzig), sich vorstellen, dass man immer schwerer wird. Und wenn du antwortest: langsam sprechen und viele Pausen machen. Ich weiss, dass ist schon fast ein Klischee, hilft trotzdem, um dich zu beruhigen. Die beste Reaktion auf Kritik ist ihnen zu sagen, dass du zugehört hast, und wenn sie zu ausfallend werden, zu sagen, dass es jetzt genug sei.

2. Denk darüber nach, wer dich kritisiert.

Jetzt, da wir etwas ruhiger sind, können wir uns vor Augen führen, wer kritisiert hat. Die Absichten, die eine Person verfolgt, machen durchaus einen Unterschied. Ist es jemand:

  • der sich bedroht fühlt?
  • der eifersüchtig ist?
  • der seine eignen Fehler vertuschen will?
  • der sich besser fühlt, wenn er/sie dich hinunterputzt?
  • der dir gerne helfen will?
  • dem Du wichtig bist?

3. Ist es konstruktive oder destruktive Kritik?

Konstruktive Kritik ist idealerweise dazu bestimmt, dir zu helfen. Destruktive Kritik soll wehtun und dich untergraben. Es ist nicht einfach diesen Unterschied zu sehen und zu verstehen. Hier ist es wichtig, dass man genau hinhört. Nicht nur der Inhalt der Kritik entscheidet, sondern auch, wie es gesagt wurde. Kontext und Tonfall sind wichtig.

4. Nützliche Kritik?

Auch wenn dir jemand wirklich helfen will, heisst das noch lange nicht, dass ihre Kritik nützlich ist. Jede Kritik ist am Ende nur eine Meinung und nicht jede Meinung ist richtig. Wenn ich einen Nobelpreis in Physik habe, dann qualifiziert mich das zu sagen, dass ein physikalischer Sachverhalt im Buch falsch dargestellt worden ist. Das macht mich aber nicht zum Experten im kreativen Schreiben und ich gebe nicht unbedingt gute Tipps zur Vermarktung des Buches. Also musst du dich immer fragen: Wie wertvoll ist die Kritik, die du erhalten hast? Ist der Ratschlag vernünftig? Haben andere Personen schon ähnliche Bemerkungen gemacht? Wenn die Kritik durch diese drei Filter gelaufen ist und bestanden hat, darfst du dich gerne ausheulen. (Machen die meisten). Danach ist es Zeit ein grosses Mädchen/grosser Junge zu sein, keine Ausreden mehr zu suchen und sich ans Verbessern machen.

5. Lege dir eine dicke Haut zu.

Natürlich darfst du weiterhin dein Peeling unter der Dusche verwenden. Jedoch ist Kritik zu suchen und anzunehmen für Autoren unerlässlich. Niemand kann an seinen eigenen Mängeln arbeiten und besser werden, wenn er sie nicht kennt. Das ist auch der Grund, warum man den Kritikern (ausser sie waren unverschämt) danken, sie ignorieren oder zumindest aber nie mit einem Gegenangriff antworten sollte.

 

Und egal, was du sonst noch tust, was die Kritiker über dich sagen, darf dein Selbstwertgefühl nicht beeinflussen. Warum? Wenn du zu empfindlich bist, werden sie dich entweder anlügen oder die Schwäche ausnutzen. Beides schlecht. Das bedeutet nicht, dass du dich über den grünen Klee loben oder glauben sollst fehlerfrei zu sein. Es bedeutet zu lieben, wer du bist, was du kannst und wie du aussiehst. Wie das geht? Nun ja, Schritt für Schritt. Und der erste Schritt ist, sich auf die Botschaft zu konzentrieren und auf den Teil der Kritik, der hilfreich war, anstatt auf all die „gemeinen“ oder „verletzenden“ Dinge.