Auswahl und Zusammensetzung einer Betalesergruppe

Hallo meine wunderbaren Lesewesen, schön seid ihr da.

Im letzten Beitrag habe ich davon gesprochen was Betaleser sind und wozu man sie einsetzen kann.

Wenn ihr das verpasst habt dann klickt hier: Was sind Betaleser?

Dieses Mal werden wir uns mit der Auswahl der Betaleser befassen und im letzten Teil mit der Auswertung des Feedbacks.

Wie immer wenn ich von Betalesern rede, meine ich auch Betaleserinnen.

 

Was ist die optimale Anzahl Betaleser?

Nun bevor ihr Beatleser rekrutiert, müsst ihr euch im Klaren sein, wofür ihr sie einsetzen wollt.

Wenn ihr jemanden wollt, der eure Schreibfehler ausbessert und ein bisschen auf Kontinuität achtet, dann wärt ihr mit zwei bis drei „Betalesern“, die gerne korrigieren gut bedient.

Allerdings würde euch ich in dem Fall empfehlen sie nacheinander ans Manuskript zu lassen oder noch besser einen Korrektor oder einen Lektor zu engagieren.

Ja, ich weiss, die sind teuer, aber dafür sind sie auch Profis und werden euer Manuskript ganz anders auf Herz und Nieren prüfen als es ein Laie für lau macht. (Alte Leier und all das)

Wollt ihr allerdings Betaleser im Sinne eines Testpublikums, dann braucht ihr mehr Personen in der Gruppe. Viel mehr. Warum?

Eine Kritik ist eine Meinung, zehn Kritiken an der gleichen Stelle sind eine Indikation dafür, dass diese Stelle nicht funktioniert und umgeschrieben werden muss.

Wie viele ihr nehmt, hängt einzig und alleine davon ab, wie viel Zeit und Aufwand ihr euch machen wollt, aber weniger als 10 sind nicht zu empfehlen, wegen statistischer Relevanz.

Wenn man zu viele hat, dann kommt man nicht mehr nach mit dem Aufarbeiten der Rückmeldungen und wenn man zu wenige hat, sind sie nicht so nützlich, ausser man nimmt von Anfang an Kritikpartner (manchml auch Alphaleser genannt).

Für mich hat sich herausgestellt, dass 12-15 Personen eine ideale Gruppe für meine Zwecke sind, wobei ich ca. 20 Leser rekrutiere, um allfällige Absprünge auszugleichen.

Meine Anzahl ist tief angesetzt, da das Optimum gemäss einiger Verlage und Autoren, eher bei 50 liegt. Mir persönlich sind das zu viele, auch, wenn ich den Vorteil durchaus sehe.

 

Wie setzt sich eine solche Gruppe zusammen?

Betaleser Auswahl und Zusammensetzung

Idealerweise sollte jede Gruppe von Betalesern, eure Zielgruppe von Lesern reflektieren.

Wenn ihr Jugendbücher schreibt, sollte eure Gruppe nicht aus 14 Senioren und einem Jugendlichen bestehen.

Wenn ihr über die erotischen Eskapaden eines Drachenritters schreibt, sollten nicht 10 Krimifans und 5 Fantasy Fans und keine Leser des Erotikgenres in eurer Gruppe sein.

Ihr könnt natürlich alle Betaleser nehmen, die sich für euer Buch interessieren, ohne, dass sie zur engeren Zielgruppe gehören. Allerdings kann ihre Kritik sehr anders ausfallen, weil sie die Genrekonventionen nicht kennen. Das kann ein Gewinn oder aber auch sehr frustrierend sein.

Wichtiger Hinweis: Sensibilisierte Leser.

Wenn ihr Völker, Gruppen, Kulturen, Minderheiten oder sexuelle Orientierungen in euren Geschichten verwendet (ja auch in Fantasy), zu denen ihr selbst nicht gehört, dann stellt sicher, dass ihr unter euren Betaleser mindestens eine Person habt, die euch eine Perspektive von Innen bieten kann. Sog. Sensibilisierte Leser.

Ausser es ist euch egal, wenn ihr unabsichtlich Stereotypen und Klischees verwendet, die rassistisch, sexistisch oder diskriminierend sind.

 

Was ist eure Zielgruppe?

Wenn ihr nicht genau wisst, wer euer Zielpublikum oder was euer Genre ist, dann ist es höchste Zeit, das herauszufinden.

Schaut euch Genrebeschreibungen an. Genrebeschreibungen by arp (Externer Link)

Die Ausrede: „Mein Buch kann von allen gelesen werden“, ist nicht erlaubt, da das so gut wie nie vorkommt. Jedes Buch hat sein spezifisches Publikum und es zu finden ist eure Aufgabe.

Hier ein paar nützliche Anhaltspunkte:

  1. Wenn ihr schon veröffentlicht habt, dann schaut euch die Leser eures Buches an. (Rezensionen auf Amazon, goodreads, Lovelybooks, etc.)
  2. Wenn nicht, schaut euch die Rezensionen der Bücher an, die eurem ähnlich sind.
  3. Schaut euch die Personen an, die auf eure Autorenseiten und auf eure Social Media Profile kommen (Ihr habt doch eine Autorenplattform oder?)

Nehmt euch viel Zeit dafür, die richtigen Personen für eure Gruppe auszuwählen und fangt früh damit an, die Menschen für euch und euer Werk zu interessieren.

Interagiert mit den Betalesern, bevor ihr sie beauftragt. Schaut ob das passt. Wenn euch bereits die Kommentare der Person auf die Nerven gehen, werdet ihr deren Feedback nicht ernst nehmen und die Zeit von beiden verschwenden.

 

Ideale Betaleser?

Leserin

Richtig gute Betaleser sind alle, die viel und gerne lesen und ihre Meinung und ihr Feedback in sehr, sehr ausführlicher Form geben. Je ausschweifender, umso besser.

Betaleser mit „Spezialfähigkeiten“ jedoch sind der Hauptgewinn, da sie viel kritischer lesen.

Solche Spezialfähigkeiten sind Nerds des betreffenden Genres, andere Autoren, Journalisten, Linguisten, begeisterte Fans eurer Bücher, etc.

Grundsätzlich alle, die entweder mehr Aufwand in euer Buch stecken wollen oder mehr Knowhow mitbringen, als andere.

Wenn ihr so jemanden findet, dann bleibt unbedingt in Kontakt mit der Person. Ihre Kommentare und Feedbacks werden euch viel mehr bringen. Vielleicht werden sie euer nächstes Werk auch testlesen?

Was man nicht will sind Betaleser, die alles gut finden oder keine Meinung zum Text haben. Das ist gut fürs Ego, aber schlecht für die Geschichte. (Darum sind mehr Betaleser nicht immer besser, die Qualität der Kritik spielt auch eine Rolle.)

Freunde oder Fremde?

Ob ihr lieber Fremde nehmen solltet oder Freunde ist eine Frage, die mir oft gestellt wird. Aber hier gibt es keine richtige Antwort, die allgemeingültig wäre.

Freunde haben den Vorteil, dass sie seltener abspringen, aber dafür tendieren sie dazu zu nett zu euch zu sein und auch Bücher anzunehmen, für die sie sich überhaupt nicht interessieren.

Fremde sind oft direkter (manchmal auch gemeiner), aber sie springen dafür eher ab.

 

Wo und wie findet man Betaleser?

10-15-20-50 Personen, das klingt nach einer ganzen Menge Leute, die man für sein Buch begeistern muss, besonders wenn man ein introvertierter Schreiberling ist und keinen riesigen, lesebegeisterten Freundeskreis hast.

Es ist trotzdem machbar.

  1. Freunde und Bekannte fragen, die gerne lesen, ob sie sich zur Verfügung stellen wollen.
  2. Wenn sie nicht wollen, weil sie nicht gerne Feedback geben, fragt Freunde und Verwandte, ob sie jemanden kennen, der gerne euer Genre liest oder eine Spezialfähigkeit hat. So finde ich die meisten.
  3. Auf den eigenen Social Media Profilen, die Follower fragen, privat oder öffentlich.
  4. Und wenn sie nicht wollen, lasst sie ihre Freunde und Verwandte fragen (analog Punkt 2).
  5. Facebook Gruppen, wie Betaleser- Autoren- oder Lesergruppen deines Genres. Unter den Autoren findet sich immer jemand der bereit ist euer Werk testzulesen, wenn ihr im Gegenzug ihres lest.
  6. Mit dem #Betaleser auf Twitter, Betaleser rekrutieren. Habe ich noch nie gemacht, soll angeblich funktionieren.

Wichtig ist, dass ihr schon früh anfängt „Werbung“ für euch und euer Manuskript zu machen.

Euer potentieller Betaleser ist ein potentieller Leser eures Buches, d.h. ihr müsst genau gleich um ihn „werben“.

Und das bedeutet, bevor ihr auch nur die erste Person ansprecht, sollte folgendes gegeben sein:

  1. Kennt das Genre
  2. Die Frage worum geht’s, müsst ihr in einem Satz beantworten können (Idealfall) oder zumindest sehr knapp umschreiben können. (max. 3 Sätze) Das wird auch Pitch genannt. (Nicht das gleiche wie ein Klappentext, darf nicht zu reisserisch sein, sonst klingt ihr wie eine Jahrmarktattraktion)
  3. Kennt die Länge des Werkes (in etwa) Wenn ihr noch nicht fertig seid, dann schätzt.
  4. Seid euch im Klaren, welchen Betaleseprozess ihr nutzen wollt, da die Vorbereitungen Vorlaufzeit brauchen.

Was muss ein Betaleser wissen?

  1. Genre.
  2. Worum geht es?
  3. Wie lange ist das Buch?
  4. Was erwartet ihr von ihnen?
  5. Fristen und Zeitaufwand (Sonst wartet ihr ewig auf ein Feedback)
  6. Der Betaleser muss wissen, dass das mit Aufwand verbunden ist.

Welche Informationen braucht ihr von euren Betalesern?

Das kommt sehr auf euer Genre an. Wenn ihr ein Buch für Linkshänder geschrieben habt, wollt ihr idealerweise auch wissen ob eure Betaleser Linkshänder sind.

Habt ihr ein sehr gewalttätiges Buch, Horror oder heisse Erotik geschrieben, müsst ihr wissen, ob eure Betaleser schon über 18 Jahre alt sind oder nicht. (Aus offensichtlichen Gründen.)

Ich frage grundsätzlich nach folgendem:

  • Alter
  • Lesegewohnheiten (Genre und Häufigkeit)
  • E-Mailadresse! (Oder Telefonnummer)

Die E-Mailadresse (oder Telefonnummer) ist die wichtigste Information die ihr braucht. Wie wollt ihr sonst eure Betaleser kontaktieren?

Wichtiger Hinweis:

Benutzt diese Adresse nicht ungefragt für eure Mailinglisten. Das ist der einfachste Weg, um alle sauer zu machen.

Gebt sie nicht weiter und verschickt eure Mails nicht so, dass die anderen Betaleser in der Gruppe diese Adresse sehen können. Datenschutz ist wichtig.

Und das Wichtigste?

Behandelt eure Betaleser wie Könige und Königinnen. Denn das sind sie.

(Zumindest, die die höflich und konstruktiv bleiben.)

Sie haben sich für euch Zeit genommen, um euer Buch zu lesen und zu prüfen. Und sie tun es ohne Bezahlung aus Begeisterung für Bücher.

Es ist sicher nett, euren Betalesern, die bis zum Ende durchgehalten haben ein kleines Geschenk zu machen. Z.B. ein signiertes Exemplar des Buches, bei dem sie so toll mitgeholfen haben.

  • Kritisiert sie nicht auf Social Media, nur weil euch ihre Kommentare nicht gefallen haben. Auch wenn ihr nicht einer Meinung seid, sie haben euch trotzdem einen wertvollen Dienst erwiesen. Loben hingegen dürft ihr sie.
  • Hört ihnen zu und nehmt ihre Kritik ernst, sonst wird man euch sehr bald anlügen.
  • Seid dankbar für ihre Mitarbeit und versucht einen Dialog mit ihnen zu führen.
  • Involviert sie in Ideen und Verbesserungsvorschläge.
  • Zieht niemals über sie her. Wirklich niemals, auch wenn sie abspringen und sich nie mehr melden.
  • Dieser Prozess kann frustrierend sein. Lasst diesen Frust nicht an ihnen aus, damit vertreibt ihr sie.
  • Wenn ihr sie weiterempfehlen wollt an andere Autoren, dann fragt vorher, ob das okay ist.

 

Das war’s von mir. Das hier sind nur Hilfestellungen und ein paar Grundsätze. Wenn ihr etwas anderes machen wollt, dann tut euch keinen Zwang an, ich bin nicht euer Chef.

Auch ich adaptiere mein Verfahren jedes Mal ein bisschen. Mir sind meine Betaleser wichtig, denn sie machen aus meinem mittelmässigen Manuskript ein tolles Buch und dafür danke ich ihnen von Herzen.

Ihr sucht noch Betaleser? Schon hier probiert?

Externe Links:

https://www.bookrix.de/_group-de-beta-leser-gesucht-gefunden/

https://betaleser.livejournal.com/

Ich habe sie noch nicht getestet, aber wenn ihr sie kennt, dann teilt bitte eure Erfahrungen mit uns als Kommentar.

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Vielen Dank.