Was braucht jeder Protagonist?

Hallo wunderbare Lesewesen, schön seid ihr da.

Ihr habt es euch gewünscht und euer Wunsch ist mir Befehl.

Ich werde erklären, wie ich meine Romanfiguren entwickle. Anscheinend gefallen meine Protagonisten, zumindest wenn ich den Feedbacks meiner Leserinnen und Leser Beachtung schenke und das tue ich.

Ich werde eine Miniserie daraus machen, da der Blogbeitrag sonst viel zu lange wird.

Heute werde ich euch sagen, was ich denke, dass jeder Protagonist braucht. Wenn ich vom Protagonisten rede, meine ich natürlich auch Protagonistinnen.

Das nächste Mal gibt es 5 Tipps von mir zur Erschaffung lebensechter Protagonisten und zum Schluss zeige ich euch ein Beispiel aus die Legende von Fin. (Ohne Spoiler)

Also was braucht der Protagonist noch bevor er einen Namen hat?

Viele Schreibcoachs werden euch raten, gebt eurem Protagonisten Hobbys, überlegt euch, wie er aussieht, wie er sich bei der Arbeit und in der Freizeit kleidet, welche Sprachen er spricht, wie ein gemütlicher Abend für ihn aussieht, etc.

Und sie haben Recht. All das gehört dazu, aber es ist nur die Dekoration des Protagonisten. Der Zuckerguss, wenn man so will.

Und Protagonisten und Kuchen haben eine grosse Gemeinsamkeit. Sie können nicht nur aus Zuckerguss bestehen, sonst ist es kein Kuchen, sondern eine zuckersüsse Sauerei.

Erst muss die Substanz da sein, bevor man die dann dekoriert.

Und was ist die Substanz?

Ihr müsst wissen, wie euer Protagonist die Geschichte auf seinen Schultern tragen und formen wird. Das ist seine Aufgabe.

 

Was brauchen Protagonisten?

1. Eine Geschichte

Logisch jedes Buch braucht eine Geschichte.

Die Fragen ist:

Was ist seine Rolle in der Handlung? Wie beeinflusst der Protagonist sie mit seinem Handeln?

Jede einzelne Romanfigur, ja auch der Antagonist formt die Geschichte mit seinen Handlungen. Wer nicht handelt, ist er ein Stück Treibholz, das von der Geschichte mitgerissen wird und damit langweilig. Ein Protagonist sollte idealerweise nicht langweilen.

Berühmtes Beispiel:

Harry Potter findet heraus, dass er ein Zauberer ist und auf eine Magieschule namens Hogwarts gehen kann. Dort angekommen, erwarten ihn neue, unheilvolle Geheimnisse. Er und seine Freunde müssen aktiv werden und nachforschen, um die Geheimnisse zu enträtseln. Harry reagiert nicht nur, sondern übernimmt die Initiative.

2. Ein Ziel (oder mehrere)

Ohne Ziel, bricht die ganze Geschichte auseinander. Jede Romanfigur, auch wenn sie keinen einzigen Satz spricht und nur einmal vorkommt, muss ein Ziel haben. Sie muss etwas wollen und wenn es nur ein sauberer Kissenbezug ist. Ihr ganzes Handeln (siehe Punkt 1) muss darauf abzielen zu erreichen, was sie will.

Der Protagonist, also die Hauptfigur, braucht natürlich ein mitreissenderes Ziel, als einen Kissenbezzug. Nur so werden Lesewesen mit ihm fühlen.

Warum? Wer will schon ein Buch lesen, über Leute, die zufrieden sind und nichts verändern wollen? Das ist unnatürlich. Wir Menschen sind immer unzufrieden, verunsichert und das treibt uns vorwärts zu einem neuen Ziel, auch wenn wir selbst das Gefühl haben ziellos zu sein.

Faustregel: Wer keine Ziele hat, den braucht es nicht in der Geschichte.

Berühmtes Beispiel:

Katniss meldet sich freiwillig für die Hunger Spiele. Ihr Ziel ist es diese Spiele möglichst zu überleben. Ihre Motivation ist ihre Famile zu schützen. Allerdings hat Katniss etwas das Problem, dass sie zu oft reagiert und zu wenig unternimmt. Das ist jedoch seitens der Autorin beabsichtigt. Damit Katniss für uns Lesewesen liebenswert bleibt, kann sie nicht zur kaltblütigen Mörderin werden und muss reagieren.

3. Motivation

Wenn ein Lesewesen nicht verstehen kann, wieso der Protagonist das Ziel erreichen will, dann braucht er auch keines. Der Protagonist bleibt leblos. Die Frage nach dem wieso, muss eine Antwort haben.

Das Ziel und die Motivation sind eng miteinander verbunden. Was ich will, ist direkt abhängig, von warum ich es will.  Aber nicht alle Ziele sind von Anfang an klar oder offensichtlich. Sie sind auch nicht immer das, was der Protagonist ursprünglich geplant hat. Deswegen ist die Motivation wichtig.

Hier schwächeln viele Geschichten, da sie dem Protagonisten zwar ein klares Ziel geben, aber keinen Grund um sich dafür einzusetzen. Oder einen sehr fadenscheinigen Grund.

Wenn der Protagonist eine vage Prophezeiung hört und dann sofort sein Leben riskiert, macht ihn das zum Idioten und nicht zum Helden. Warum? Nur weil euch ein völlig Fremder sagt ihr seid die Auserwählten und euch auf eine Selbstmormission schicken will, tut ihr es deswegen noch lange nicht. Es muss schon eine bessere Motivation her, als das Schicksal will es so.

Berühmtes Beispiel:

Vaiana wurde vom Meer ausgesucht den Halbgott Maui zu finden und mit ihm das Herz von Te Fiti zurückzubringen, das er gestohlen hat. Aufs Meer hinauszugehen ist ihr grösster Traum, aber die Verantwortung um ihre Familie und ihr Dorf halten sie zurück. Sie hat ein Ziel, aber sie verfolgt es erst, als ihr eigenes Dorf in Gefahr war. Erst, als die Motivation stark genug war, wurde ihr Ziel wichtig genug, um ihm zu folgen.

4. Konflikt / Fehler

Der Protagonist braucht immer einen Charakterfehler und/oder einen Konflikt. (Idealerweise auch der Antagonist.)

Der Konflikt sind die Sachen oder Personen, die zwischen dem Protagonisten und seinem Ziel stehen. Also nicht zwingend ein Streit, wenn er ihn nicht daran hindert sein Ziel zu erreichen. Das wäre Drama.

Ein Fehler ist das Gleiche, entspringt aber dem Innenleben des Protagonisten.

Ein Charakterfehler ist eine Eigenschaft eures Protagonisten, die ihn daran hindert sein Ziel zu erreichen.

  • Es ist also nicht das berühmte, viel zu gute Herz eines Assassinen, wenn es ihn nicht bei seinem Traum der beste Mörder zu werden behindert.
  • Oder das wunderschöne Aussehen, wenn es ihm nur etwas Neid einbringt, aber ihn nicht daran hindert, den Mann seiner Träume zu bekommen.
  • Oder Tollpatschigkeit, wenn er trotzdem der beste Schwertkämpfer werden kann, weil er im Kampf nie über seine Füsse stolpert, nur vorher und nachher.
  • Auch nicht das Rauchen oder die Unhöflichkeit, wenn es seinen Zielen ein Sänger zu werden nicht im Weg steht.

Ein Fehler oder ein Konflikt müssen nicht eine Tragödie sein, wie die Trauer, um den Tod der Eltern, Kindheitstrauma, etc. Es muss nicht das massivste Trauma aller Traumata sein. Im Gegenteil. Viel weniger reicht.

Ein Beispiel: Euer Protagonist will Schauspieler werden. Er feiert seine ersten Erfolge und steht kurz vor dem Durchbruch. Doch unerwartet bekommt er Panikattacken, wenn er im Rampenlicht steht. In dem Fall will ich wissen, wie geht es weiter? Wird er Hilfe bekommen, sich selbst helfen oder versagen?

 Berühmtes Beispiel:

Hier könnt ihr irgendeine Romanfigur aus G.R.R. Maritns Bücherreihe „A Song of Ice and Fire“ nehmen. Er ist der absolute Meister darin jeden einzelnen Charakter so aufzubauen, dass er einen fatalen Fehler hat, den er nicht oder nicht einfach überwinden kann, um sein Ziel zu erreichen.

5. Die Entwicklung

Das ist die eigentliche Substanz eurer Geschichte.

Was muss der Protagonist lernen? Wie muss er sich entwickeln, um seine Konflikte zu bewältigen?

Lernt er mit seinen Fehlern umzugehen? Wie?

Kann er sein Ziel erreichen oder muss er es für immer begraben?

Charaktere, die sich nicht entwickeln, die durch die Handlung der Geschichte nicht verändert werden, sind in der Regel blass und hinterlassen keinen Eindruck.

Wie immer beim Schreiben ist Vieles sehr subjektiv. Es gibt Geschichten und Protagonisten, die gut ohne Entwicklung auskommen, sind aber eher selten heutzutage.

 

Erst wenn ihr eurem Charakter diese 5 Punkte hinzugefügt habt, hat er Substanz. Und erst auf diese Substanz kommt die Tortenglasur und die Deko. Das sind nicht unbedingt banale Sachen oder reine Äusserlichkeiten, es sind bloss die Dinge, die nichts mit den zuvor genannten Punkten zu tun haben.

Das kann sein: Aussehen, Geburtstag, Vorlieben, Alltag, Arbeit, Hintergrundgeschichte

Und damit wir uns richtig verstehen Protagonisten mit Substanz zu schaffen ist schwierig. Auch die alten Hasen im Geschäft schaffen es nicht immer. Es gibt viele Bücher, die sich gut verkauft haben und nicht jeden dieser Punkte erfüllt haben.

Allerdings ist es so, je mehr Punkte ihr nicht berücksichtigt, umso eher wird der Leser sich langweilen.

 

Und ihr wie seht ihr das? Wie schafft ihr eure Protagonisten?

Wenn euch der Beitrag gefallen hat, dann gebt mir doch ein „Like“, damit ich weiss, was euch gefällt und euch nicht langweile.

Vielen Dank. Bleibt so toll, ihr verleiht meinen Büchern Flügel.