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Das Schicksal der Klischees.

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Hallo wunderbares Lesewesen, schön bist du da.

Wenn man Geschichten erzählt, kommen schnell die Klischees. Sie nahmen ihren Anfang, als einfacher Weg, um der Zuhörerin, Zuschauerin oder Leserin auf schnelle Weise einen Inhalt oder ein Konzept zu vermitteln. Den Herren der Schöpfung und allen anderen übrigens auch. Das sind Erzähltechniken, Ideen und Konzepte, die so gut waren, dass sie viel zu oft verwendet worden sind. Inzwischen wissen wir im Voraus, was gemeint ist oder was als nächstes passieren wird.

Beispiele:

  • Junger Mann, in schwarzer Kleidung, mit Dreitagebart, der gegen die Wand lehnt und eine Sonnenbrille trägt? Ja, das ist der „Bad Boy“.
  • Naiver Held wird auf der Strasse angerempelt? Logisch, er ist seine Brieftasche oder Wertgegenstände los.
  • Lippenstift auf dem Hemd? Oho, der Mann hat eine Affäre.

Klischees sind nicht unbedingt etwas Schlechtes. Sie können uns eine Geschichte vermiesen, weil wir das Gleiche schon hundert Mal gelesen haben. Das wird beim hundertundersten Mal nicht spannender.

Aber… Je nach dem, wie man sie einsetzt, kann man Erwartungen wecken und sie dann ins Gegenteil verkehren. Oder man nutzt sie, um dem Leser eine Situation mit wenigen Worten zu vermitteln, anstatt sich in langwierigen Erklärungen zu verwickeln.

Heute stelle ich euch ein Klischee vor, das sehr oft genutzt wird, in griechischen Tragödien, im Fantasy oder Science Fiction Genre sowie in Comics.

Ich präsentiere euch:

Weil es das Schicksal so will

Quelle: pexels-pixabay-235615

Auch bekannt als: „Du kannst das Schicksal nicht bekämpfen.“

Dieses Klischee kommt recht häufig zum Zug, wenn es eine Prophezeiung, einen Auserwählten oder ähnliches Vorwissen über zukünftige Ereignisse gibt. In diesen Geschichten geht es immer um den Kampf zwischen Selbstbestimmung vs. Erfüllen der Vorsehung. Diese Geschichten enden meist damit, dass sich niemand gegen das auflehnen kann, was sein Schicksal ist.

«Das war sein Schicksal» ist dabei gleichbedeutend mit: Das war unabwendbar.

Es ist eines der ältesten Klischees, das ursprünglich das Spannungsverhältnis zwischen dem freien Willen der Menschen und dem Willen der Götter (Fortuna, Nornen etc.) darstellte. Ist der Mensch völlig hilflos gegenüber Mächten und Umständen, denen er nicht entrinnen kann?

Es hat bis in die heutige Zeit überdauert. Wobei es dabei zwei Spielarten gibt.

  1. Die Figuren im Buch akzeptieren, dass ihr Schicksal unvermeidlich ist. Sie werden alles tun, um es zu realisieren.
  2. Die Figuren werden alles tun, um ihre Schicksal zu verhindern und es dadurch erst recht erfüllen.

Berühmte Beispiele:

  • Yu-Gi-Oh! Die ganze Anime Serie dreht sich um dieses Klischee (und der Macht der Freundschaft)
  • Terminator: Alles nur, weil er John Connor ist.
  • Slumdog Millionär. Steht auf dem Filmplakat.
Slumdog
Bildquelle: Fox Searchlight Pictures

Es ist eines der wenigen Klischees, das uns nur selten stört. Warum?

Das Schicksal ist vielfältig

Wir kennen das Schicksal aus unserem Leben. Viele Menschen leben unter Bedingungen, die ihnen ihre Entwicklung sehr schwer oder fast unmöglich macht. Die Macht von Umständen, die uns übermächtig und erdrückend erscheinen, kennen wir alle. Wir können meist nicht beeinflussen, was uns zustösst, wer uns verletzt, was andere uns antun. Und nicht selten kommt die Frage auf: Ist das Schicksal? Unabwendbar und vorbestimmt? Wieviel in unserem Leben können wir selbstbestimmt entscheiden?

Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Immerhin ist unser Leben keine klare Linie, die schnurgerade von der Geburt bis zum Tode verläuft.

Deswegen ist es ein so beliebtes Thema in Geschichten. Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen, der Versuch Antworten zu finden, bietet eine so breite Spielwiese von Möglichkeiten. So präsentiert sich das scheinbar alte und bekannte Klischee immer wieder neu. Es hat ganz einfach so viele Nuancen, wie das Leben selbst. Damit ist es eigentlich kein Klischee mehr.

Schicksal ist faul

Aber es gibt auch das Gegenteil davon. Die schlechte Umsetzung des Klischees, die oft belächelt wird. Hier ein paar Beispiele:

  1. Der Held ist ein lausiger Schwertkämpfer und kann seine Trainingsmontage aus der Hölle nicht überstehen. Er gibt auf. Die Welt ist verloren. Keine Sorge, eine „Du kannst es, weil es dein Schicksal ist“ Ansprache vom Mentor später und unser Held schlägt sie alle, entgegen jeder Vernunft und Logik, ganz egal wie talentiert und erfahren sie sind. Weil Schicksal.
  2. Oder kennt ihr den Bösewicht, der die Welt zerstören will, obwohl er damit auch sich und seinen Angehörigen schadet? Ja. Er ist nur böse, weil es sein Schicksal ist. Geboren, um böse zu sein. Wow…
  3. Oder die religiösen Orden, Mystiker und Weisen, die dringend benötigte, magische Gegenstände nicht herausrücken wollen, weil die Zeit dafür noch nicht reif ist? Schliesslich darf nur der Auserwählte die Welt retten und nicht irgendein dahergelaufener, besorgter Bürger. Weil Schicksal!
  4. Unser Held hat ein tolles Leben, gute Freunde und ist seinem Schwarm endlich nähergekommen. Da taucht ein geheimnisvoller Mentor auf und sagt: «Du musst eine beschwerliche Reise auf dich nehmen, dein Leben in Gefahr bringen, um den finsteren König/Magier/Kriegsherren aufzuhalten, der geheimnisvolle Ziele verfolgt.» Und der Held lässt sich darauf ein. Nicht, weil er dämlich ist. Sondern, weil Schicksal!

Das Probem bei der schlechten Umsetzung ist, dass es in diesen Geschichte nicht mehr um die Auseinandersetzung zwischen Selbstbestimmung und Vorsehung geht. Das Schicksal wird verwendetet, anstelle einer logischen Erklärung oder eines nachvollziehbaren Motivs. Es ist die faule Abkürzung zum Ziel oder ein Heftpflaster für eine klaffende Wunde in der Geschichte. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel, denn dieser hier ist zu Ende.

Vielen Dank dafür, dass du bis zum Schluss gelesen hast. Wenn dir mein Beitrag gefallen hat, dann schenk mir doch ein Like, ein paar Sterne oder teile ihn mit deinen Freunden.

Ich poste jede Woche einen neuen Beitrag rund ums Thema Schreiben, Geschichtenerzählen und alles drumherum. Sei dabei, oder auch nicht, ich bin nicht deine Chefin. Aber ich würde mich freuen dich wiederzusehen.

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