Ideenschmiede Gehirn…

…oder meine 5 Quellen der Inspiration

Die häufigste Frage, die mir meine Mitmenschen stellen, (natürlich nach „Wieso schreibst du?“- „Keine Ahnung, wieso atmest du?“) ist: „Woher nimmst du bloss die Ideen für deine Geschichten?“

Mein erster Impuls ist zu antworten, die kommen einfach so. Dabei stimmt das gar nicht, ich habe mir nur nie Gedanken darüber gemacht. Das soll sich nun ändern. Selbstverständlich teile ich meine Erkenntnisse mit euch. Wenn es so oft gefragt wird, dann sollte man meinen, dass meine Antwort von Interesse ist.

1. Fotos:

Ich mache gerne Fotos und noch viel lieber schaue ich mir Fotos an. Nicht unbedingt die 2000 Fotos umfassende Präsentation der letzten Seniorenkreuzfahrt, aber vereinzelte Bilder, in denen eine versteckte Emotion oder eine besondere Stimmung eingefangen worden ist. Sie müssen nicht unbedingt ästhetisch oder von Profis gemacht worden sein. Das kann ein zugezogener Vorhang sein, durch den das Licht in einer gewissen Weise fällt, oder der Gesichtsausdruck einer Person, der nicht zum fotografierten Moment passen will und schon fange ich an mir eine Geschichte dazu auszudenken. Die Liste der Fotos, die mich inspiriert haben, ist lang. Leider habe ich dazu keine Bilder, die ich mit euch teilen kann, da sie urheberrechtlich geschützt sind. Pinterest und Stock Photography Webpages sind daher meine guten Freunde.

2. Öffentliche Verkehrsmittel:

Klingt vermutlich unheimlich. Ziemlich sicher sogar. Trotzdem sind die ÖV meine Schatzkammer für Ideen. Es ist ein idealer Ort um Leute zu beobachten, sich Geschichten zu ihnen und ihrem Leben auszudenken, gestützt auf Gesprächsfetzen, die man mitbekommt, oder deren Körperhaltung, Marotten, Gesten, etc zu studieren. Die meisten Passagiere unterhalten und benehmen sich so, als würde ihnen niemand zusehen oder zuhören. Ja, ich weiss, das klingt sehr nach einem Stalker, aber ich habe nie behauptet, dass man Romanfiguren charakterisieren kann, ohne die Menschen vorher genau studiert zu haben. Am besten geht das dort, wo sie sich unbeobachtet fühlen, legal ist das Beobachten nur in öffentlichen Plätzen und am unauffälligsten im Zug, Tram oder Bus. Hinter dem Wahnsinn steckt Methode, da ich nie Menschen aus meinem Bekanntenkreis in meinen Geschichten verwende. Das wäre nun wirklich seltsam.

3. Wanderungen:

Wenn man in der Schweiz wohnhaft ist, gehört das Wandern einfach zum Paket dazu, sowie das Fondue, Raclette und die Schokolade. Klischees beiseite, das Wandern ist eine gute Art auf neue Ideen zu kommen. Wenn ich Wandern gehe, dann sind die Beine damit beschäftigt mich den Berg hochzuhieven, meine Augen bekommen wunderschöne Naturschauspiele geboten und meine Gedanken gehen auf Reisen. Sie kommen erst wieder zurück, wenn ich wieder einigermassen Luft bekomme, mit vielen neuen Ideen für Geschichten. Ich weiss auch nicht wieso. Höhenkoller?

4. Musik:

Die Musik inspiriert mich, wie die meisten anderen Menschen auch. Keine weltbewegende Erkenntnis. Eine schwierige Szene? Kein Problem, passende Musik einschalten und die Szene schreibt sich wie von selbst. Auf der Suche nach einer zündenden Idee? Musik an – Ideen marsch!

5. Die Minute kurz vor dem Einschlafen:

(Auch bekannt unter dem Namen: Stinkefinger des Gehirns)

Die besten Ideen kommen im Halbschlafzu mir. Wenige Augenblicke bevor ich einschlafe, spuckt mein Gehirn nicht nur einzelne Gedankenblitze aus, die ich später ausformulieren kann. Nein. Das ist etwas für meine wachen Stunden. Ganze Konzepte, von Anfang bis Schluss, mannigfaltige Handlungsstränge mit jedem Knoten, jeder Biegung im Weg und unendliche Variationen sehe ich wunderbar entwirrt und klar. Im Bett habe ich Notiz und Stift in Griffweite um alles aufzuschreiben. Ja, das ist Retro, ich weiss, aber Displays sind viel zu hell. Bis sich meine Augen an das Licht gewöhnt haben, bin ich zu wach und der Moment ist vorbei. Das ist der Grund, warum ich manchmal mit Kugelschreibergekrakel im Gesicht aufwache und im Dunkeln leserlicher schreibe, als im wachen Zustand. Eine hohe Kunst und mein geheimes Supertalent.

Das waren sie: meine 5 Quellen der Inspiration. Was inspiriert euch? Habt ihr eine Marotte, die euch hilft? Ich würde mich freuen, über eure Erfahrungen.