Manuskript kürzen oder verlängern? Wieso und wie?

Liebe Lesewesen, schön seid ihr da.

Habt ihr ein Buch geschrieben, aber euer Manuskript wird von Agenten und Verlagen abgelehnt?

Dann kann es daran liegen, dass euer Buch zu kurz oder zu lang ist.

Natürlich kann das auch viele andere Gründe haben, doch die Länge eines Manuskripts wird viel zu oft vernachlässigt. Sie ist aber wichtig für die Vermarktbarkeit deines Buches.

Es ist also nicht nur nötig die Länge im Auge zu behalten, wenn ihr einen Verlag sucht, sondern auch fürs Selfpublishing.

Die ideale Länge für Bücher, die sich durchs Band am besten verkauft, sind:

Die Länge eines Manuskripts.

200-500 Seiten.

  • Ist euer Buch kürzer besteht die Erwartung der Leser, dass es günstiger sein muss, obwohl es keinen grossen Unterschied zu den Produktionskosten eines dickeren Buches gibt. Sie werden es nicht kaufen oder sich abgezockt fühlen.
  • Ist euer Buch länger, dann kann das abschreckend sein. Ausserdem kann die Produktion eines 600+ seitigen Buches im Verhältnis viel mehr kosten, was sich nicht unbedingt auf den Ladenpreis abwälzen lässt, was die Gewinnspanne drückt.

In beiden Fällen werden es sich die Verlage zweimal überlegen euer Buch zu veröffentlichen. Es ist nicht unmöglich, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie euer Werk nehmen.

Die definitive Seitenzahl kann schwer zu schätzen sein. In Worten ausgedrückt sollte euer Roman nur in Ausnahmefällen unter 50’000 haben oder mehr als 120‘000 Worte. Klar mit der Formatierung kann man schummeln, um auf 200 Seiten zu kommen oder unter 500 Seiten zu bleiben, aber das hat seine Grenzen.

Die optimale Länge ist gemeinhin 80‘000 bis 100‘000 Worte.

Es gibt aber je nach Genre leichte Unterschiede in der vertretbaren Länge:

Krimis, Thriller sollen angeblich am besten bedient sein mit: 90‘000-100‘000, Liebesromane mit 70‘000-90‘000, Fantasy mit 80‘000-120‘000 und Jugendbücher 55‘000-90‘000 Worten.

Aber Patricia…

Ich weiss, was ihr sagen wollt, dass sehr erfolgreiche Romane mehr Worte oder aber weniger gebraucht haben. Schon klar. Aber es ist klüger, wenn ihr damit rechnet die Regel zu sein und nicht die Ausnahme.

Selbst J.K. Rowling hat in ihren ersten zwei Büchern die empfohlene Anzahl von Worten für Jugendbücher genau eingehalten (Englische Ausgaben):

  • Harry Potter und der Stein der Weisen: 76‘944 Worte.
  • Harry Potter und die Kammer des Schreckens: 85‘141 Worte.

Erst als sie berühmt wurde, hatte sie die nächsten Bücher in der Serie viel umfangreicher gemacht und z.T. auch Kritik dafür geerntet.

Ich hatte schon zu lange und zu kurze Manuskripte geschrieben.  Schatten, die Legende von Fin, musste ich um 20’000 Worte kürzen und mein neustes Manuskript musste ich von 42‘000 auf mindestens 55‘000 Worte bringen.

Ich habe mir für beide Fälle ein paar Techniken angeeignet, die ich gerne mit euch teile.

 

Wie kürzt man ein Manuskript?

Überarbeitung:

1. Füllwörter sowie überflüssige „und“ rigoros streichen. (Das summiert sich und verbessert den Lesefluss.)

2. Doppelte und dreifache Adjektive weglassen. Niemand muss wissen, dass er einen roten, kratzigen, alten Pulli trug. Es reicht ein Adjektiv, das im Kontext der Geschichte am wichtigsten ist. Im Ausnahmefall zwei.

3. Wiederholungen gnadenlos ausmerzen, mit wenigen Ausnahmen.

4. Kennt ihr die gelungene Szene oder den witzigen Dialog, die super klingen, aber leider keine oder bloss eine minimale Funktion in der Geschichte erfüllen? Ja? Dann streicht sie.

5. Stellt sicher, dass eure Szenen und Dialoge mehrere Funktionen erfüllen. Sie sollten z.B. die Handlung vorantreiben und den Charakter einer Person enthüllen, sowie einen Einblick in ihre Lebensumstände zeigen. Wenn sie das nicht tun, prüft, ob ihr gewisse Szenen nicht zusammenlegen könnt.

6. Charaktere eliminieren, die nichts zur Handlung beitragen.

7. Erklärungen, Rückblenden und Beschreibungen kürzen. Wir müssen uns nich jeden Zweig bildhaft vorstellen können und jedes einzelne Kleidungsstück einer Figur kennen. Weniger ist oft mehr.

8. Manchmal braucht es lange Sätze, aber nicht jedes Mal. Also kürzt sie.

Die Taste zum Löschen wird euer bester Freund sein.

Wie können euch Betaleser helfen?

  • Fragt eure Betaleser, welche Stellen langatmig wirken und dann kürzt oder streicht ihr diese.

Ihr habt alles gegeben, aber die Geschichte ist trotzdem noch zu lange?

Dann prüft, ob ihr aus eurem Manuskript zwei Bücher oder mehre machen solltet. Vielleicht ist da drin noch eine Geschichte versteckt von der ihr nichts wusstet.

 

Wie verlängert ihr euer Manuskript?

Bevor wir uns ans Verlängern machen habe ich einen wichtigen Hinweis.

Das Buch soll bitte länger werden und nicht langweiliger.

D.h. was ihr hinzufügt muss etwas bewirken in der Handlung oder im Protagonisten, ein Geheimnis enthüllen oder zumindest einen wichtigen Punkt oder eine Entwicklung illustrieren.

Nur Füllermaterial schreiben, um das Buch zu verlängern, bringt nichts, da das niemand lesen will.

Wie verlängert man, während der Überarbeitung?

1. Show vs. Tell, also zeigen vs. erzählen. Emotionen und Situationen zu zeigen, anstatt sie zu erzählen, ist immer länger. Vergleicht: Es war Sommer, als sie…. VS. Der Asphalt flimmerte in der Hitze. Die Sonne brannte erbarmungslos auf ihren Rücken, als sie…

2. Schaut euch die Haupthandlung an. Ist der Bösewicht in einem Kapitel zu besiegen? Klappen die Pläne auf Anhieb? Erreicht euer Protagonist seine Ziele, ohne nennenswerte Opfer? Dann ist eure Handlung zu überstürzt und könnte strukturelle Schwächen haben. Baut sie aus.

3. Nebenhandlungen einfügen, die mit der Haupthandlung harmonieren. Wie z.B. eine Liebesgeschichte in einem Krimi oder aber die Romanze einer Nebenfigur im Liebesroman. Wenn ihr schon eine Nebenhandlung habt, dann prüft, dass diese auch eine Entwicklung durchmacht und nicht unfertig oder überstürzt wirkt.

4. Wie steht es um eure Protagonisten? Zeigt ihr sie manchmal mit ihren Hobbys und Freunden, in Szenen, die ihren Charakter zeigen und ihnen helfen die Handlung voranzutreiben?

5. Dialoge. Ein guter Dialog muss mehrere Funktionen erfüllen. Aber er muss auch die Stimmung der Charaktere zeigen. Was tun die Sprecher, während sie reden? Stehen sie stocksteif herum und referieren? Wie fühlen sie sich während sie reden? Haben sie Marotten beim Sprechen?

Wie ihr seht ist es viel anspruchsvoller einem Buch mehr Material hinzuzufügen, als wegzunehmen. Das dauert.

Wie können euch Betaleser helfen?

  • Bekommen sie ein Gefühl für die Szene, wo sind die Protagonisten, wie sieht es dort aus? Nein? Prima, beschreibt den Ort und die Stimmung.
  • Können sie sich die Figur vorstellen, Kleidung, Aussehen, Stimmung? Wenn die Antwort darauf nein ist, dann dürft ihr Beschreibungen hinzufügen. Hurra.
  • Gibt es Stellen im Buch, wo die Handlung unklar oder konfus wirkt: Toll, das könnt ihr genauer erklären.
  • Verstehen sie die Figur nicht? Evtl. braucht es mehr Substanz, inneren Monolog oder aber eine Hintergrundgeschichte

Ihr habt alles gegeben, aber euer Buch liegt immer noch unter 50‘000 Worten? Widersteht der Versuchung Füllmaterial einzufügen und lasst es so stehen.

 

Und das Wichtigste:

Bitte denkt daran, dass diese Techniken für mich funktioniert haben. Ich erhebe nicht, den Anspruch zu wissen, was für euch funktioniert oder richtig ist.

Und wenn ihr überzeugt seid von eurem Werk, obwohl es zu kurz oder zu lang ist, dann versucht trotzdem euer Glück. Was ein gutes Buch ausmacht ist sehr subjektiv und lässt sich nicht mit einer Anzahl Worten oder Seiten quantifizieren. Das wissen auch die Verlage.

Haltet ihr euch an solche Vorgaben oder nicht? Ich freue mich darauf eure Meinung zu hören.

Kennt ihr noch andere Techniken um Manuskripte zu kürzen oder zu verlängern?

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