Hier kommt Fin – Schaffung einer Protagonistin

hallo wunderbare Lesewesen, schön seid ihr da.

Wie versprochen setze ich die Miniserie rund um Protagonisten fort. Die letzten Male drehte sich alles um:

Das heisst jetzt ist es Zeit für mein Beispiel aus der Praxis.

Anhand von „Die Legende von Fin“ zeige ich euch, wie ich eine Figur entwickle. Ich werde meine Protagonistin Fin als Beispiel nehmen. Allerdings bleibt alles eher auf der Oberfläche, da sonst zu viele Spoiler vorkommen. Und verraten wird nichts.

 

1. Idee, Ziel und Motivation

Logischerweise beginnt alles mit einer Idee. Ohne Idee keine Geschichte.

Und wenn mir die Idee für eine Geschichte kommt, habe ich bereits die Figuren im Kopf, die es braucht, um die Handlung voranzutreiben, denn auf ihren Schultern ruht die Geschichte.

  • Was wollen sie?
  • Was motiviert sie?

Das sind die ersten Fragen, die ich nicht nur für meine Protagonistin, sondern für jede einzelne Figur beantworte, die mehr als einmal vorkommt.

Schliesslich gibt es nur dann Spannung in der Geschichte, wenn die Ziele der Figuren, mit den Zielen und Handlungen anderer Figuren, sowie mit Ereignissen und anderen Umständen in Konflikt stehen.

Wenn alles zu glatt läuft ist die Geschichte laaaangweilig.

Da ich von Anfang an wusste, dass „Die Legende von Fin“ mehrteilig werden würde, musste ich mit meiner Protagonistin Fin herausfinden:

Wie verändern sich ihr Ziel und ihre Motivation von Buch zu Buch? Oder bleiben sie gleich?

Fin in Band eins, Schatten:

Ziel: normales Leben
Motivation: Dazugehören


Wer kennt das nicht, dass man sich manchmal ausgeschlossen fühlt, die Einsamkeit und den Schmerz, die damit einhergehen? So ergeht es auch Fin mit dem Unterschied, dass sie tatsächlich nie dazugehören kann, zumindest nicht so wie sie es sich wünscht. Gerade deswegen ist dieses Ziel, dieser Wunsch so stark, dass er trotz allem was passiert, immer an der Oberfläche bleibt.

Fin in Band zwei, Finsternis:

Ziel: es soll aufhören
Motivation: Freunde und Familie zu schützen.


In „Schatten“ wurden unbequeme Wahrheiten ans Licht geholt. Fin wurde mit Ereignissen konfrontiert, die ihr gesamtes Weltbild erschüttert haben. Damit ist es eine logische Konsequenz, dass weder ihre Ziele noch ihre Motivation gleich bleiben können. 

Das heisst nicht, dass ihr Ziel und die Motivation aus Buch eins vergessen sind. Im Gegenteil sie sind immer noch Teil ihrer Persönlichkeit, aber sie sind nicht mehr das, was sie antreibt.

Fin in Band drei, Drachenfeuer (Arbeitstitel):

Ziel: Es zu Ende bringen
Motivation: Freunde und Familie zu schützen.

In diesem Teil ist ihre Motivation noch die gleiche, aber nicht ihr Ziel. Der Unterschied ist nicht so klein, wie er scheint.

Bei „Es soll aufhören“ richtet sich ihr Handeln gegen sich selbst – aus Selbsthass und Zweifeln.

Beim Ziel „Es zu Ende bringen“ akzeptiert Fin hingegen ihre Verantwortung und ihren Part, den sie in der Geschichte zu spielen hat, als unausweichlich.  Sie bringt es zu Ende, nimmt dafür alles, was sie ausmacht, all ihre Erfahrungen (Ziele und Motivationen) aus den drei Teilen  und wirft sie dem Schicksal ins Gesicht, um daran zu zerbrechen oder siegreich hervorzugehen.

Hier kommt Fin

 

Ich weiss, ich weiss.

Das klingt sehr schwammig, aber wenn ich genauer darauf eingehe, dann verrate ich euch zu viel. Lest die ersten zwei Bücher und ihr werdet verstehen, was ich meine.

Ein bisschen Selbstpromotion musste gerade sein.

 

2. Im Kopf der Figur / Ihre Entwicklung

Was in einer Geschichte passiert ist abhängig davon, wer was wie macht.

Vielen Dank, für diese offensichtliche Einsicht, Sherlock.

Immer mit der Ruhe. Genau so wichtig, ist auch das warum. Es beeinflusst das Was und Wie. 

Daher der Streit mit meinen Charakteren und besonders mit Fin. Ich sage ihr, was sie zu tun hat und sie findet nicht, dass sie das tun möchte, weil es ihnen gegen den Strich geht.

D.h. ich muss im Kopf dieser Person sein und mir überlegen: würde jemand mit dieser Persönlichkeit, in dem Fall, mit den Erfahrungen wirklich so handeln?

Und damit ich diese Fragen beantworten kann, muss ich natürlich jeden Einzelnen von ihnen kennen und sei es auch der Bösewicht.

  • Welche Fehler hat die Figur?
  • Was ist ihre Persönlichkeit?
  • Was ist ihre Geschichte?

Zur Erinnerung, ein Fehler ist hier für diese Zwecke, nur das, was die Figur daran hindert ihr Ziel zu erreichen. Das wird auch innerer Konflikt genannt.

Ob etwas ein Fehler ist oder nicht, ändert sich in dem Masse, wie sich die Ziele der Figur verändern.

Alles andere gehört zur Persönlichkeit, die einen komplexen, realistischen Charakter ausmacht. Das ist nicht unwichtig oder überflüssig, nur eben kein Fehler in dem Sinne.

Warum diese Unterscheidung wichtig ist?

Weil man einem Charakter 100’000’000 Persönlichkeitsattribute, spezielle Hobbys und die tragischste Hintergrundgeschichte aller Zeiten andichten kann und trotzdem fühlt man nicht mit ihnen.

Und  der Grund dafür ist, dass sie keine Fehler haben, die ihrem Ziel im Wege stehen. Es fehlt der innere Konflikt, der unsere Sypathien weckt.

Nur damit das gesagt ist, es braucht nicht immer einen inneren Konflikt, wenn der äussere stark genug ist. Aber es hilft beides zu haben. (Siehe „A Song of Ice and Fire“. Man kann über die Bücher sagen, was man will, aber jeder Charakter hat einen interessanten, inneren Konflikt, der es in sich hat.)

Da Fins Geschichte, ihre Persönlichkeit und ihre Fehler offensichtlich massives Spoiler Territorium sind, werde ich nicht viel über Fin schreiben können. Also beschränke ich mich auf die Ausgangslage.

  • Fin ist eigensinnig. Das ist eine Eigenschaft, die sie z.T. in Schwierigkeiten bringt. Aber ist es auch ein Fehler, der sie daran hindert ihr Ziel zu erreichen? Nein. Also bloss eine Charaktereigenschaft, die uns verrät, wer sie ist und warum sie handelt, wie sie es tut.
  • Fin ist oft naiv, weil sie doch recht jung ist. Hier ist es nicht so eindeutig, ob es ein Fehler ist, oder ihre Persönlichkeit. Warum? Nun, diese Naivität ist mitverantwortlich für das Ziel, das sie hat. Sobald sie die ablegt, verändert sich auch ihr Ziel. Ja, die Komplexität ist hoch, deswegen fallen so viele Protagonisten flach.
  • Fin hat einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt. Ist das ein Fehler? Was sagt ihr? Nein? Richtig. Das ist ihre Persönlichkeit, die ihre Handlungen und damit den Verlauf der Geschichte beeinflussen.  Sie gerät deswegen in viele gefährliche Situationen und ist damit sicher nicht nur eine positve Eigenschaft, aber es hindert sie nicht daran ihr Ziel zu erreichen.
  • Fin kann nicht schwimmen. Ja, auch kein Fehler. Nur Zuckerguss.
  • Fin ist Magierin. Das hat nichts mit ihrem Charakter zu tun und ist somit kein Fehler, meint ihr? Falsch geraten. Das ist er. Der Fehler. Und es ist nicht nur ein Fehler, der sie daran hindert ihr Ziel zu erreichen. Es ist sogar der fatale Fehler. Also einer, den sie nie aus der Welt schaffen kann. Sie kann nicht aufhören zu sein, wer sie ist und sie kann nicht die Magie legalisieren, die in Fins Welt verboten ist. Magier werden nicht toleriert und hingerichtet, wenn sie entdeckt werden, daher kann sie ihr Ziel nicht erreichen. Aber die Motivation dazuzugehören ist so stark, dass sie trotzdem nicht aufhören kann, das zu wollen.

Blauer Schmetterling

3. Recherche

Da die Legende von Fin Fantasy ist, könnte man meinen, dass der Rechercheaufwand kleiner ist, als bei einem Buch, das in der modernen Zeit oder realen Welt spielt. Man würde allerdings unrecht haben.

Die ganze Geschichte spielt in einer anderen Epoche, in einer erfundenen Epoche zwar, trotzdem sind die sozialen Dynamiken, verfügbaren Materialien/Lebensmittel, Denkweisen etc. zwingend anders als heute. D.h. ich muss die historisch akuraten Verhaltensweisen kennen und daraus simulieren, wie sie für diese erfundene Welt und Fin sein könnten.

Fin wird ausgeblidet zur Heilerin. Das bedeutet, dass ich historische Formen der Heilkunst kennen und ich gleichzeitig berücksichtigen muss, wie die Magie den technischen und medizinischen Fortschritt in ihrer Welt beeinflusst hat, bevor sie verboten wurde.

Ich habe mich in dem Fall darauf festgelegt, dass die Dinge, die auch magisch gelöst werden können, wie Landarbeit, Transport, Heizen, Müllentsorgung, Waffen, etc. technologisch sehr rückständig geblieben sind. Hingegen sind die Sektoren wie Medizin, wo magisch nur sehr wenig auszurichten ist, sehr viel weiter fortgeschritten.

Da der Wechsel von Magie zum Verbot von Magie noch nicht so lange zurückliegt, gibt es überall noch die seltsame Durchmischung, von Magiehass und der Verwendung von Magie, was Fins Leben stark prägt.

offenes Buch zum Lesen

 

 Das ist nur ein kleiner Einblick in meine Art und Weise, wie ich meine Protagonisten entwickle und es gibt sicher mehr als einen Weg.

Ich hoffe diese Serie hat euch gefallen und genützt.